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                                                        Aki Takase Fats Waller Projekt          index

Free Dixie - Wer es nicht mit eigenen Augen gesehen, mit eigenen Ohren gehört und im eigenen Bauch verspürt hat, wohl kaum hätte es jemand für möglich gehalten, daß sich die losen Enden der beiden Extreme es Jazz zum runden Ganzen verbinden lassen. ... So liebenswürdig kann das Schreckgespenst der Jazz-Aventgarde sein. Dabei ist es doch so einfach: Man muß nur in der Spur vorwärts gehen, die von den Altvorderen gebahnt worden ist. Die große Stärke des Jazzam Beginn seines Siegeszuges durch die Musikgeschichte des ersten Drittels des vorigen Jahrhunderts war schließlich die Kraft seiner kollektiven Improvisationslust. Durch deren Spontaneität und sinnenfreudige Kreativität wurden aus Melodien Erlebnisse, di die Menschen mehr und mehr in den Bann zogen. Wie eine Hot Five Band auf einer Drehorgel aus dem 21. Jahrhundert lotet die Crew um Aki Takase die klanglichen Möglichkeiten der Instrumente aus. Lautmalerei, schräger Blues und Plunger-Growls, singende Säge Klingel, Pfeife und ein fröhlich klimperndes Banjo ergänzen Two-Beat-Stomps und freie Improvisation zu einer wunderbaren Kakophonie, bei der es den Zuhörern immer wieder so richtig warm ums Herz wird, wenn aus dem Chaos unversehens die wohlbekannten Meloien aus der Frühzeit des Jazz auftauchen. Eugene Chadbourne singt den Blues und läßt das Banjo squaredancen bis ihm Einhalt geboten wird von einem schmerzhaft lauten Schrei der Bassklarinette, die jede good old South-Romantik ohne Gnade zurückweist ins potmoderne Getümmel. Da stehen also nebeneinander auf der Bühne Rudi Mahall und Nils Wogram mit zwei eher atypischen Soloinstrumenten, Bassklarinette und Posaune, und produzieren darauf Klänge, Läufe, Melodien, Kieckser und Quietscher, Hechler und Röchler, pringen nur so über die Oktaven in galoppierenden Jagden durchs Mississippi-Delta und die Straßenschluchten Harlems, das Alles in lockerer Virtuosität und mit höchstgradigem Spaßfaktor. Eugene Chadbourne intoniert in unbeirrt fröhlicher Schräglage auf Bano und Gitarre Pickings, Blues und Bottleneck-Slides, die der Verschwörung der Idioten alle Ehre machen. Paul Lovens am Schlagzeug treibt dazu unentwegt den Two-Beat voran, jedenfalls solange er nicht gerade selbst mit explosiven Überraschungseiern zu Gang ist. Initiatorin, prima inter pares, selbst zuweilen überraschte spiritus rectra und blitzgescheite Herrscherin über die Tastatur des Bösendorfers wie über alle Aspekte der Jazzgeschichte ist die japanische Pianistin Aki Takase. Sie zeichnet verantwortlih für den wohl sympathischsten Dekonstruktionsprozess, den der Neuburger Jazzclub bis dato gesehen hat. Nicht zuletzt Fats Waller, dessen skurrilem Humor die Fünf putzmunter auf frischer Fährte sind, hätte seine helle Freude gehabt.
Dr. Tobias Böcker in dn Nürnberger Nachrichten über das Konzert am 28. März 2003 im Birdland Neuburg

Willkommen in der Welt der genialen Wahnsinnigen, der lauten Vogelfreien, der stillen Träumer, der Witzigen und Mutigen, der Unterhalter und Provokateure. Willkommen in eine Käfig improvisierender Narren! ... Eine Band, wie sie skurriler nicht hätte zusammengewürfelt werden können. Ein Sammelsurium an Typen, ein musikalischer Rachenputzer, dessen Rezeptur auf den ersten Blick so inkompatibel erscheinen mag, wie Wurstsalat mi Erdbeermarmelade, die aber Gemüt, Gehirn und Gehörgang kräftig durchpustet und etwas wohltuend Reinigendes, etwas ganz und gar Befreiendes besitzt. Vorhang auf: Da wäre zum einen der geheimnisvolle fernöstliche Vamp am Piano (Aki Takase). Irgendwie eine chizophrene Künstlerin, die zwischen stupender Technik, herrlich süffigen Strideläufen und chaotischen Clustern hin und her springt. Oder der begnadete Irre an der Bassklarinette (Rudi Mahall), das offenbar manisch depressive Riesentalent an der Posaune (ils Wogram), die tumbe Figur mit den unkontrollierten Ausbrüchen am Schlagzeug (Paul Lovens) oder der postpubertäre, scheinbar in der oralen Phase stecken gebliebene Eugene Chadbourne an der Gitarre. ... Beginnt alles relativ normal, swingt richtig gut, tnzelt. Bis aus dem fröhlichen Hüpfen ein programmiertes Stolpern, ein desorientiertes Taumeln und schließlich ein unkontrolliertes Trudeln wird. Die Tempi wechseln so schnell, daß es das Gehirn kaum ordnen kann: Galopp, Sprint, Schleichgang. Die Fünf agieen wie eine Zirkuskapelle auf Entzug. Mahall zwitschert wie ein Vogel, Wogram grunzt wie ein vietnamesisches Warzenschwein, Lovens kratzt über das Drumset, als würde ein Geisterschiff aus der Kanalisation auftauchen. "Looking good but feeling bad" heißt de alte New Orleans-Schmonzette von Fats Waller eigentlich, und irgendwie ist der 80 Jahre alte Titel schon wieder (neues) Programm. Den kunstvoll geknüpften gordischen Knoten immer wieder virtuos zu zerschlagen: Das ist die Hauptaufgabe der Wahl-Berlineri Takase. Die Chefin im Narrenkäfig flirtet mit reizvollen exotischen Formen unverblümt in der eher lustfeindlichen Welt des Freejazz, läßt aus blubbernden Sounds launige dixiehafte Seifenblasen auftauchen und mit übergroßer Lust zerplatzen. ... "The Jointis jumping" oder "Ain`t misbehavin" - man mag es kaum glauben. Aber irgendwann fädelt jedes Geflatter, Geflirr und Gewimmer wieder in einen richtig schönen New Orleans Stride ein. Das ist Entertainment auf absolut hohem Niveau, die längst überfällige Emanipation der Avantgarde, ein Klammer zwischen gestern und morgen. Und die Erkenntnis: Nicht nur der musikalische Gourmet liebt nun Wurstsalat mit Erdbeermarmelade.
Reinhard Köchl im "Donaukurier" über das Konzert am 28. März 2003 im Birdland Neuburg

Ak Takase "W. C. Handy - Projekt"

Blues, zersägt
_Oh Herr, ich hasse es, die Abendsonne untergehen zu sehen_, hätte W. C. Handy in wörtlicher Übersetzung gesungen, aber er sang natürlich auf Englisch, denn er war der Vater des Blues: _Oh Lord, I hate to ee the evening sun go down._ Die Zeile, die uns noch heute zu Tränen rührt, weil sie an das Endliche unserer Existenz erinnert, an die Perspektive unseres Erstarrens und Verwesens (dem Lord zum Trotz), entstammt seiner berühmtesten Komposition, dem St. Lois Blues von 1914. Sie handelt allerdings, wie an dieser Stelle einmal richtig gestellt werden muß, mitnichten vom Tod, sondern von den Lebensbedingungen des in der Fremde umherziehenden Musikers. Der wußte: Wenn_s dunkelt und kein bezahlbares Quartier daist, mußt du wieder einmal auf dem Boden der Tatsachen schlafen, und der kann verdammt ungemütlich sein.
Die Härte und Entbehrung des Blues, sie verdienen ein Ausrufungszeichen! Andererseits: Das Schlichte und Schematische dieser Musik - sind sie nicht strbenslangweilig? Zwischen Ausrufungszeichen und Fragezeichen hat die japanische, in Berlin lebende Jazzpianistin Aki Takase ihr Quintett St. Louis Blues aufgestellt (enja 9130-2). Das Album ist W. C. Handy allerdings mehr abgerungen als gewidmet. Fünf seier Kompositionen werden auf ihre Elastizität und Dehnbarkeit hin untersucht; eingestreut sind ein paar andere Stücke, von denen eines pharmazeutisch programmatisch Mobilat heißt.
Rudi Mahall hat es geschrieben; der Bassklarinettist aus Berlin versteht sic auf melodische Schrullen wie auf entenähnliches Geschnatter und befindet sich damit in bester Gesellschaft. Denn Aki Takase hat sich eine wirklich außergewöhnliche Truppe zusammengesucht. Da ist zunächst der englische Gitarrist Fred Frith, der sich bishe mit Rockmusik, Volksmusik und Kammermusik beschäftigt hat. Dann Paul Lovens, ein gestandener deutscher Free Jazzer, dessen Auftritte mit Cecil Taylor zweistündigem Trommelfeuer glichen (wie zivil spielt er hier!). Und schließlich Nils Wogram, der Endzwaniger aus Köln, der alles Posaunenwissen dieser Welt in sich aufsaugt, um daraus mehr und mehr seine eigene Stimme zu formen.
Jetzt zersägt diese japanisch-englisch-deutsch-deutsch-deutsche Truppe hingebungsvoll Way Down South Where The Blues Began, und augenommen wurde das alles übrigens in Hannover. Alten Bluesfreunden sei von dieser CD abgeraten, harmoniesüchtigen Rhythmusmitklopfern auch; alle anderen sollten ihren Spaß haben. Und wenn es im Sommer zur Tournee kommt - dann sehen wir uns.
Ulrich Stock i _Die Zeit_ (Dezember 2001)
Nichts Neues im Jazz? Mag ja sein, daß es eine Avantgarde im militärischen Sinne von Vorkämpfern, denen das Fußvolk in gebührendem Abstand folgt, nie mehr geben wird. Aber die großen Individualisten, die in Personalunion von Shöpfer und Interpret die Aura des Jazz immer bestimmt haben wie in keinem anderen Musikgenre, sind noch da. Und wenn sie in Hochform spielen, was sie begreiflicherweise nicht immer können, sind sie unwiderstehlich - und einmalig. Aki Takase zum Beispiel, ie immer dann ihren bizarren Humor am besten inszenieren kann, wenn sie sich große Duo-Partner aussucht und sich an den möglichst bekannten Themen anderer Leute reibt. Das tut sie jetzt mit dem Nürnberger Baßklarinettisten Rudi Mahall und vorzugsweise mitThemen des Komponisten vieler Blues-Klassiker, W. C. Handy. Mit Mahall verbindet Aki Takase eine alte Freundschaft glücklicher Resonanzschwingungen, die 1998 zu dem Meisterwerk _Duet for Eric Dolphy_ führten. Dolphy machte Anfang der Sechziger mit einigenwenigen Soli die Baßklarinette als neu umworbenes Instrument im Jazz heimisch. Jedoch: Intonation und geläufiges Spiel sind schwierig, und in extremeren Artikulationen stören Verwandtschaften mit aufgeregten Gänsen den Kunstsinn. Deshalb gab und gibt es wnige, denen der 1964 verstorbene Dolphy den Ritterschlag gegeben hätte. Mahall ist einer von ihnen.
Waren die Dolphy-Themen, die Takase und Mahall bei ihrer ersten Zusammenarbeit behandelten, äußerst kompliziert, so sind die Stücke von W. C. Handy fast kiderliedeinfache Evergreens, besonders der _St. Louis Blues_, der formal gar kein Blues ist und der CD, auf der er zweimal vorkommt, den Namen gegeben hat. Diese Melodien eignen sich so recht als Spielmaterial für schrille Phantasien und satirische Lust. Vrsonnen klimpert da ein Südstaaten-Klavier, während die Baßklarinette aus allen Harmonien herausspielt. Honky Tonk, Spieluhren-Idylle und Slapstick-Panik werden durch Free-Jazz-Erfahrungen unterminiert, freie Dialoge aber auch wieder in strengen Arrangemets abgefangen; allenthalben Ausbrüche, Auswüchse, Unernst, Verspieltheit, im Kern zusammengehalten von blendendem Handwerk, das sich auch auf die Klangfarbengestaltung auswirkt - bei Mahall sowieso, aber auch bei Nils Wogram. Der technisch und intellektuel beste unter allen deutschen Posaunisten, die auch nur einen Tag jünger sind als Albert Mangelsdorff, ist als Ergänzung des Personals eine enorme Bereicherung. Wogram hat in der Gruppe _Underkarl_ einen mit Aki Takase eng verwandten Humor bei der Traditinsverwaltung demonstriert. Auf etwas andere Weise passen die trockenen Dekonstruktionen des Gitarristen Fred Frith und das schrullige Schlagzeugspiel von Paul Lovens - sie sind weitere Gelegenheitsmitspieler - ebenfalls glänzend in die Geistes- und Geistewelt der japanischen Pianistin, die für diese CD übrigens auch Mahall, Wogram und sich selbst hat komponieren lassen und mit _Lulu_s Back in Town_ einen nicht von W. C. Handy stammenden _Schlager_ zum Umschleifen freigegeben hat.
Ulrich Olshausen in der Fankfurter Allgemeinen Zeitung vom 28. Dezember 2001
Schwerblau tropfend, leichtfüßig hüpfend
Hundert Jahre Jazz an einem Abend: Aki Takase und ihre Mannen verzauberten die Gäste in der Fabrik
Kein Zweifel: wir befinden uns in der Fabrik in Altona, der Ram ist vertraut, viele der Gesichter ringsum sind es auch, doch von Beginn an fühlen wir uns wie in eine andere Welt versetzt. Schon das Klima stimmt: schön heiß und stickig, dazu das Schimmern der Nacht, das Flackern der Lichter, die abendliche Unruhe. Un von der Bühne tropft schwerblau und dann plötzlich leichtfüßig und überdreht eine Musik, die klingt, als hätte jemand die Fabrik unter den Arm geklemmt und einfach verpflanzt. An eine Ecke der Beale Street, Memphis, Tennessee, und aus allen Rcihtungen töt Musik - jeweils eine andere und doch immer die gleiche: "Down South Where The Blues Began", einer der vertrauten Gassenhauer von William Christopher Handy, dem selbst ernannten "Vater des Blues". Der Klassiker erklingt als shuffelnder Bluesrock im Geist T-Bone Walkers, als staksige Barrelhouse-Hammerklavier-Episode, als Second-Line-Aufmarschnummer einer Street Parade und verborgen als Gerüst einer zeitgenössischen Kollektivimproviation im Bewußtsein der klassischen Jazzavantgarde - die Geschichte des Bles in einem Song: fast hundert Jahre alt und plötzlich wieder so frisch, als wären die Windeln noch kaum abgestreift.
Die Musik W.C. Handys steht im geistigen Zentrum des neuen Programms der Berlinjapanerin Aki Takase und ihres derzeitigen Quintetts um di beiden phänomenal abgestimmten Bläser Nils Wogram an der Posaune und dem Bassklarinettisten Rudi Mahall, den Gitarristen Fred Frith und den Schlagzeuger Paul Lovens. Nicht, daß sich die fünf auf Handys Kompositionen beschränken würden, aber Handy, der weiger den Blues selbst als vielmehr seine zum Klischee gewordene zwölftaktige Standardform geprägt hat, gibt den Rahmen vor. Und gerade in Handys Kompositionen schwelgen Wogram und Mahall im Furor der unzerbrochenen Melodie. St. Louis Blues.
Mit oder auch hne Dämpfer modelliert Wogram dann jeden einzelnen Ton, gibt ihm Bedeutung und Sentiment, Wärme und Strahlkraft und erdet damit jede weitere Improvisation, jeden Ausbruch, jede Expedition ins weite Reich der Freiheit und Klänge. Wenn sich schließlich die assklarinette Rudi Mahalls dazugesellt, wenn die beiden mit überschäumender Spielfreude und traumwandlerischer Sicherheit zwischen den Oktaven springen, in drei Momenten vom unteren Register ins Flageolett und zurück oder umgekehrt, wenn Fred Frith, der Hilige der aus dem Geist des Rock befreiten Improvisation, seine Störgeräusche und Blueslicks einstreut und Lovens, der Improviser alter, radikaler Schule, seine perkussiven Koloraturen beisteuert, spaltet sich die Musik auf in die verschiedenen Zeiten undOrte, wo sie weitergeprägt wurde und entwickelt eine stilistische Polyphonie, die über die abgedroschenen Kategorien hinausweist. Alle Fäden bündeln sich jedoch in den Händen von Eminenz Aki Takase, der mit vielen Wassern gewaschenen Pianistin, die seit Jhr und Tag in Berlin zu Hause ist. Mit ihren Einsätzen aus dem Hintergrund steuert sie lässig das musikalische Geschehen. Mal lenkt sie die Musik mit einem dominantem Vampriff in Richtung Blues, dann mit einem ostinaten Motiv in Richtung Walzer, dann tanzn die Hände auf den Kontinent Stridepiano oder sie zermahlen den harmonischen Zusammenhang, lösen ihn auf in eine Turbulenz von scheinbar disparaten Trillern und Tonsplittern, die sich schließlich wieder zu einem neuen Zusammenhang verbinden. Als wir nachmehr als zwei Stunden und zwei Zugaben wieder auf die Straße treten, liegt die Fabrik wieder in Altona. Die Lichter der Großstadt kämpfen gegen den kalten Hauch der Provinz, und noch ist der Schritt etwas taumelig und desorientiert. Wir sollten uns vorsehn im Verkehr.
Stefan Hentz am 21. Juni 2002 in "Die Zeit" über das Konzert am 19. Juni 2002 in der Hamburger "Fabrik"

Nach Sonnenuntergang
..."I hate to see the evening Sun go down" (Ich mag nicht zuschauen, wie die Sonne untergeht) lautet eine Zeile i W.C.Handys berühmten St.Louis Blues. Doch der Blues und alle Stile des Jazz von Dixieland bis Electric sind untergegangen. Die Postmoderne des Jazz ist in die Phase der Renaissance eingetreten, und diese post-apokalyptische Blues-Adaption setzt das Signa dazu. Was für ein phantastisches Team hat da zur multistilistischen Kollaboration zusammengefunden! Fred Frith, dem nicht einzuordnenden Gitarren-Experimentierer, der maßgeblich die englische Avantgarde-Alternative zum Rock geprägt hat, zuzusehen, wie ersich in die Strukturen einhorcht und die schrägsten Blues Akkorde dazwischen schiebt, ist allein den Abend wert. Rudi Mahall, heute die Nr.1 der Baßklarinette, entwickelt eine bei der Groteskheit seines Ansatzes nicht erwartete Klangsensibilität. Der jung Posaunist Nils Wogram beherrscht das mehrstimmige Spiel zum Staunen leicht und gleitend, und Free-Veteran Paul Lovens an seinem wackeligen Swing-Schlagzeug leitet die Lichtwechsel zwischen Blues und Freispiel ein.
Mit Aki Takases W.C.Handy-Projekt kommt er Blues endgültig als Weltkulturerbe im einundzwanzigsten Jahrhundert an.
Matthias R. Entreß über das Konzert am 19. Juni 2002 in der Hamburger "Fabrik"

Das "W.C. Handy-Projekt" mit den expressiv-skurrilen Bluesklassiker-Versionen erweist sich als Pubikumsmagnet und Höhepunkt. Mit eben dieser Publikumswirksamkeit bleibt Aki Takases konsequent aus dem Avantgarde-Bereich besetzte und schöpfende Bluesband eine blühende Randerscheinung. So zupft an der Gitarre eben kein Bluesgitarrist, sondern Rock-Experientator Fred Frith. "Hinter meinem Rücken" präsentiert sie als Lyrik-Rap auf dem Geräusch-Streckbett. Die St. Louis-Scherben schillern: Erhalten bleibt oft der Rhythmus; Themen zersplittern, heraus platzt der Gefühlskern (neben Rudi Mahall bläst Nils Wogrm die Posaune) und unvermittelt wächst ein umso bunterer Ragtime aus dem Vielspur-"Chaos", das mit punktgenauen Einsätzen angerichtet ist.
Anja Barckhausen am 24. Juni 2002 in den Nürnberger Nachrichten über das Konzert am 21. Juni 2002 in Nürnberger Tafehalle beim Festival Jazz. Ost West

Spiel voller Gegensätze
Preisträgerkonzert mit Pianistin Aki Takase im Mainzer SWR-Foyer
"...Die aus Osaka stammende Aki Takase überzeugte mit ihren jüngsten Projekten vor allem durch die souveräne Art, mit der sie au alte Formen des Jazz zurückgreife, um diese in einem zeitgenössischen Umfeld zu präsentieren, begründete die Jury ihre Entscheidung, den mit 7.500 Euro dotierten Jazzpreis des Landes Rheinland-Pfalz und des Südwestrundfunks der Pianistin zu verleihen. Dis gelte vor allem für ihr neuestes Projekt "St. Louis Blues", in der Takase in überzeugender Art und Weise das tradierte Material aus heutiger Sicht beleuchte. Beim Preisträgerkonzert im Mainzer SWR-Foyer konnten sich die Zuhörer bei der Präsentation der ompositionen von W.C. Handy und der Bearbeitung anderer Traditionals von der Treffsicherheit der Jury-Wahl überzeugen. ... Skurriler Humor kennzeichnet die Kompositionen. Bizarr und kraftvoll, voller Überraschungen und Übertreibungen. Der einleitende Wohllang des "St. Louis Blues" auf der Posaune von Nils Wogram und der Bassklarinette von Rudi Mahall gleitet durch überblasene Stakkati beider Instrumentalisten, die pulsierende Percussion von Paul Lovens, durch verzerrte Glissando-Läufe des Gitarristen Fran Möbus und einen nervös gehämmerten Hochgeschwindigkeitslauf auf dem Piano in den roten Bereich. Das wohl bekannte Thema wird zerlegt, auf die Grundbestandteile reduziert, wieder zusammengefügt. Komplexe Soundcollagen entstehen aus einfachen Melodien, dieKollektive und Soli entwickeln sich voller Dynamik. ..."
Klaus Mümpfer am 29. August 2002 in "Allgemeine Zeitung Mainz" über das Preisträger-Konzert (SWR Jazzpreis 2002) am 27. August 2002 im SWR Funkhaus Mainz